Anwendungsfälle für das Internet of Things

Dieses Bit dient als Sammlung von Anwendungsfällen, die derzeit für das Internet of Things (IoT) kursieren, zusammen mit Fragen und Anmerkungen dazu.

Öffentlicher Raum

Die folgenden Beispiele sind aus der ZEIT 1 entnommen, die diese wiederum aus verschiedenen Quellen (Forschungsinstitute, Messen, Kongresse) zusammengestellt hat:

  • "Der Glascontainer bestellt automatisch eine Leerung, wenn er fast voll ist" – Wie bekommt man das vandalismus- und manipulationssicher sowie kostengünstig hin? Darüber hinaus erfordert dieser Fall eine komplett digitalisierte und weitgehend automatisierte Einsatz- und Routenplanung, denn die bestellten Leerungen müssen ja auch abgearbeitet werden. Heute wird es einen festen Leerungsplan mit überwiegend festen Routen geben, die einmal geplant und dann nur hin und wieder angepasst werden. Wie groß muss die Flexibilität zukünftig sein und welche Auswirkungen hat dies auf die dann geforderte Arbeitszeitflexibilität der Fahrer?
  • "Autonome Drohnen messen Schadstoffe in der Luft und überwachen, wie der Verkehr fließt" – Eine Kombination aus automatischem Labor und fliegendem Auge also. Warum muss das zusammen in eine Drohne eingebaut werden? Wie viele Drohnen braucht man davon? Da Technik nie wartungsfrei ist, liegt die Frage nahe, wer sich um die Drohnen kümmert und mit wieviel Aufwand das verbunden ist.
  • "In Laternenmasten sammeln Sensoren aktuelle Verkehrs- und Wetterinformationen, ... Datenaustauch mit vorbeifahrende Autos" – Wie bekommt man das vandalismus- und manipulationssicher sowie kostengünstig hin? Welcher, möglichst quantifizierbare Nutzen ist davon zu erwarten?
  • "Autos bremsen automatisch, wenn ein Mensch auf die Straße läuft, der ein Smartphone bei sich trägt." – Dann brauche ich als Fußgänger zukünftig vielleicht gar nicht mehr auf den Verkehr zu achten? Und als Fahrzeuglenker werde ich ständig von den auf die Straße springenden Fußgänger ausgebremst?
  • "Eine Parklücke meldet, dass sie frei ist. Ein Auto ... kann den Platz reservieren." – Wer erhält mit welcher Priorisierung den Zuschlag? Darf man diese Parkplätze nur mit einer 'Parklückenreservierungs-App' benutzen? Wie soll das überwacht werden?
  • "Mülltonnen, die mit ihren billigen, mit Solarenergie betriebenen Mini-Modulen von Sigfox Auskunft geben, wie voll sie sind. Damit der Müllwagen nicht in entlegene Alpendörfer oder kleine Pariser Gassen fahren muss, wenn in den Tonnen noch Platz ist." 2 – Die beim Glascontainer-Beispiel angesprochenen Probleme scheinen in der Praxis gelöst worden zu sein.

Home Automation

Die folgenden Beispiele stammen ebenfalls aus ZEIT (2017/2018):

  • "Druckertinte, Waschpulver oder Grundnahrungsmittel werden über das Internet automatisch nachbestellt, bevor sie zur Neige gehen" – Diese Idee kursiert schon lange in den unterschiedlichsten Variationen. Zu nennen sei auch der Amazon Dash Button, mit dem ich auf Knopfdruck, ganz bestimmte Produkte direkt bei Amazon nachbestellen kann. Der Kühlschrank, der weiß, wann die Milch zur Neige geht, ist auch ein Dauerbrenner. Problematisch daran ist die Bindung an jeweils ein Produkt, einen Hersteller und einen Lieferanten. Die Kaufentscheidung wird dabei teilweise automatisiert und ein Preisvergleich findet sicher gar nicht mehr statt.
  • Mit einer Fernbedienung auf dem Smartphone können Heizung, Rolläden oder Küchengeräte übers Internet gesteuert ... werden." – Home-Automation-Systeme gibt es schon von mehreren, auch großen, Anbietern auf dem Markt; genauso lange treibt mich die Frage um, warum ich mir das zulegen soll.
  • "Sitzmöbel stellen sich auf ... die Körpermaße ... ein." – In einem von mehreren Fahrern genutzten PKW erscheint das noch als eine sinnvolle Idee, aber Zuhause? Was soll sich denn da einstellen? Ein Hocker an der Küchentheke fällt mir noch ein, aber warum muss das ausgerechnet automatisiert werden? Und wahrscheinlich mit viel Aufwand, wenn man kurz überlegt, was eine technische Lösung dafür eigentlich alles voraussetzt: Stromversorgung, Identifikation des Nutzers, Interaktion mit dem Nutzer, usw.
  • "Ein elektronisches Etikett gibt eine Alarmmeldung, wenn Textilen in den falschen Waschgang geraten." – Endlich eine Lösung für ein Problem, das mich nächtelang nicht schlafen ließ.
  • "Wasserhähne senden ein Signal, wenn sie tropfen" (Blume, 2018)
  • "Feuermelder mit (Sigfox-)Modul: Sie senden [...] regelmäßig ein Signal, ob sie noch funktionieren oder nicht." (Blume, 2018)

Handel und Logistik

  • "Sensoren im Kühllaster informieren den Empfänger schon vorab über den Zustand der Ware." (DIE ZEIT, 2017)
  • "Versandcontainer werden in Europa bereits mit Sigfox-Modulen bestückt, die damit regelmäßig Auskunft über ihren Aufenthaltsort geben." (Blume, 2018)

Weitere Überlegungen

Bei jedem Anwendungsszenario wäre die naheliegende erste Frage, welchen Nutzen eine IoT-basierte Lösung konkret bringt und wie dieser sich zu den aufzuwendenden Kosten sowie dem Energie- und sonstigen Ressourcen-Verbrauch verhält. Oft beschleicht mich der Eindruck: da sucht eine technische Lösung nach einem passenden Problem.

Bei anderen Beispielen frage ich mich, ob die Frage eigentlich richtig gestellt ist: Parklücken z.B. sind nur solange eine Mangelware, wie der Individualverkehr mit eigenem Auto dominiert.

Aus vielen der kursierenden Szenarien spricht auch eine besondere Einstellung zur Effizienz menschlicher Tätigkeiten bzw. unserer ganzen Existenz. Die Grundannahme schein zu sein, dass wir als Menschen durch viele kleine Ärgernisse unseres Alltags, wie z.B. die, Druckertinte nachbestellen zu müssen, bevor sie zur Neige geht, ständig von den wirklich wichtigen Tätigkeiten, der Verwirklichung unseres wahren Selbst oder kreativer Arbeit abgehalten werden. Dann sind wir also, außer wenn wir schlafen, immer kreativ und produktiv und einfache Tätigkeiten lenken nur ab? – Überspitzt formuliert: Hätte Einstein auch noch die Weltformel für alles gefunden, wenn es diese technischen Lösungen damals schon gegeben hätte, die versprechen, uns zukünftig alle banalen Tätigkeiten vom Hals zu halten?


  1. Asendorpf, D., & Gerdes, A. (2017, 7. Dezember). Vernetze Welt. DIE ZEIT, S. 46. 

  2. Blume, G. (2018, 18. Januar). Was bewegt Ludovic Le Moan? - Der Zauberer. DIE ZEIT, S. 34.