Fehlerkultur oder Irrtumskultur?

In diesem Bit sammle ich Quellen zu einer Diskussion zum Thema Irrtum vs Fehler und der Forderung, dass wir in einer komplexen Umwelt eher eine Irrtumskultur brauchen als eine Fehlerkultur. Ursprünglicher Anlass für diese Sammlung ist der folgende Tweet von Frank Düsterbeck:

Auf den Tweet antwortete ich damals mit: "Vielen Dank für die Anregung zum Weiterdenken über Verhältnis Irrtum/Fehler. Ich sträube ich mich, ohne weiteres Nachdenken zuzustimmen. Das kann darin liegen, dass ich Kultur, als Forderung verstanden, als Leerbegriff empfinde: eine Kultur, auch eine Fehlerkultur, hat jede Organisation."

Hier noch ein Tweet von Niels Pfläging, der in eine ähnliche Kerbe schlägt:

Eine darauf folgende Antwort von Daniel Dubbel enthält auch einen Link auf einen Blog-Artikel 1 von ihm aus dem September 2017, der das Thema Fehlerkultur und auch Irrtümer in einem komplexen Umfeld ziemlich differenziert behandelt. Trotzdem ist damit die Ursache meines Unbehagens nicht behoben; das Thema verdient weiteres Nachdenken.

Update 31.01.2020:

Eine kurzer Beitrag 2 von Conny Dethloff auf LinkedIn betont die Rolle von Fehlern für das Lernen.

Ebenfalls auf LinkedIn ein Beitrag 3 von Markus Metz über Fehlerkultur.

Update 25.02.2020:

In der Wochenzeitung „der Freitag“ erschien schon vor einiger Zeit ein Artikel4 über die Sicherheit im Krankenhaus: „Ein Psychologe der Lufthansa kämpft gegen medizinische Behandlungsfehler mit Mitteln, die seit Jahrzehnten in der Luftfahrt für einen sicheren Betrieb sorgen“ heißt es im Untertitel und der Psychologe wird in dem Artikel u.a. mit den Worten „Wenn ich Chefärzte frage, warum sie mit Lufthansa fliegen, antworten immer alle, wegen der bekannten Sicherheitsstandards. Im Gegenzug bekommen sie die Frage nach ihren Standards nicht so gern gestellt“ zitiert. Es geht um Checklisten sowie „Standard Operating Procedures“ (SOP) und es wird die Vermutung geäußert, dass die Sicherheit im Flugzeug auch deshalb einen größeren Stellenwert habe als im Krankenhaus, weil im Zweifelsfall die Piloten selbst von Fehlern mit tödlichen Ausgang betroffen sind – im Krankenhaus nicht: Dort reicht eine berufliche Haftpflichtversicherung und die Vetretung durch einen Rechtsanwalt, bin ich versucht hinzuzufügen.

Bei „Heise Developer“ bin ich noch auf einen Artikel über „Strategien und Techniken zur Fehlerprävention“5 gestoßen, der sich mit Methoden zur Fehlerreduktion in der Software-Entwicklung beschäftigt, also damit, was Programmierer:innen tun können, damit am besten gar keine Fehler im Code entstehen. Die generelle Strategie des Autors besteht darin, das Entstehen von Fehlern durch Verringerung der kognitiven Belastung zu verhindern. Das Mittel der Wahl dazu ist für ihn die Verringerung der Komplexität. – Da sehe ich durchaus Parallelen zu den in der Luftfahrt eingesetzten Methoden, und der eine oder andere Aspekt ist auch in anderen Bereichen einsetzbar.


  1. Dubbel, D. (2017, 13. September). Irren ist menschlich. Abgerufen 15. April, 2018, von inspectandadapt.de/irren-ist-menschlich 

  2. Dethloff, C. (o. J.). Fehler als Helfer. Abgerufen 31. Januar 2020, von linkedin.com/posts/conny-dethloff-6b9b0942_fehlerkultur-fehler-activity-6611123458124333056-yTkI 

  3. Metz, M. (2019, Dezember 9). Fehlerkultur. Abgerufen 31. Januar 2020, von linkedin.com/pulse/fehlerkultur-markus-metz 

  4. Behmann, J. C. (2019, März 26). Sicherheit im Krankenhaus Wenn Chefärzte fliegen lernen. Abgerufen 25. Februar 2020, von freitag.de/autoren/jan-c-behmann/wenn-chefaerzte-fliegen-lernen 

  5. Hofer, J. (2017, April 25). Strategien und Techniken zur Fehlerprävention. Abgerufen 25. Februar 2020, von heise.de/developer/artikel/Strategien-und-Techniken-zur-Fehlerpraevention-3345353.html